Ehlers-Danlos-Syndrom als Beispiel für Bindegewebserkrankungen und Gefäßkompressionen

Zahlreiche Bindegewebserkrankungen führen zu einer Lockerung von bindegewebigen Strukturen. Dazu zählen Organe wie die Lunge, der Darm sowie Blutgefäße, Gelenke und Bänder.
Venen enthalten reichlich Bindegewebe und sind daher bei Bindegewebserkrankungen ebenso wie Arterien von Strukturstörungen betroffen. Da das venöse Blut unter geringerem Druck steht als das arterielle, unterscheiden sich die Effekte von Bindegewebserkrankungen, wie zum Beispiel dem Ehlers-Danlos-Syndrom oder dem Marfan-Syndrom bei Venen und Arterien.
Gefäßkompressionsphänomene sind daher bei Venen häufiger als bei Arterien, welche eher zur Aussackung der Arterienwand, sogenannten Aneurysmen, neigen.
Die größere Dehnbarkeit von Venen kommt bei Bindegewebserkrankungen, die zu einer Lockerung des Bindegewebes führen, auch darin zum Ausdruck, dass sich Venen leichter von umgebenden Strukturen komprimieren lassen. Der Venenabschnitt, der der Kompressionsstelle vorgeschaltet ist und in dem sich das venöse Blut dann staut, neigt in besonders starkem Maße zur Aufweitung (Dilatation). Während bei einer strafferen, gesunden Vene der Blutdruck im gestauten Abschnitt ansteigt, gibt die Venenwand bei Bindegewebserkrankungen leichter nach, sodass bei gleicher Kompression eine Tendenz zur geringeren Drucksteigerung und umso größeren Erweiterung des der Kompressionsstelle vorgeschalteten Venenabschnittes besteht .
Das gestaute Blut weicht daher in sich ebenfalls leichter erweiternde Umgehungskreisläufen aus. Die hier betroffenen Venen neigen zur Schlängelung und Krampfaderbildung.
Ein weiterer Effekt der Lockerung des Bindegewebes ist darin zu erkennen, dass Patienten mit Bindegewebserkrankungen zu einer Deformierung der Wirbelsäule neigen, da die Bänder, die die Wirbelsäule stabilisieren, leicht nachgeben. Oft entwickelt sich zunächst eine ausgeprägte Lordose der Lendenwirbelsäule und eine stärkere Kyphose der Brustwirbelsäule. Später folgt dann die Neigung zur Skoliose, das heißt zur Seitwärtsverbiegung der Wirbelsäule. Der Mechanismus dieses Vorganges ähnelt dem, der bei einem Kurbelbohrer genutzt wird. Die Wölbung der Kurbel bildet einen Hebelarm, der die Seitwärtsbewegung der Kurbel erleichtert und die Drehung des Bohrers ermöglicht.  Die lordotische Lendenwirbelsäule verhält sich analog zur Kurbel eines Bohrers. Die Vorwärtskrümmung der Lendenwirbelsäule (Lordose) erleichtert die Seitwärtsdrehung der Lendenwirbelsäule, was zur Skoliose führt.
Die ausgeprägte Lordose, die sich bei Bindegewebserkrankung entwickeln kann, erleichtert somit Gefäßkompressionen, wie es in den  Abschnitten Lordose und Lordogenetisches Mittellininesyndrom dieser Website beschrieben ist.