Mein Kind hustet – Inhalationsbehandlung

Husten und Schnupfen sind häufige Symptome bei Kindern. Eltern sind stets besorgt, wenn die Kinder heftig oder lange husten.

Husten ist meist ein Zeichen einer Entzündung der Schleimhäute der Atemwege. Dabei kann man Entzündungen der oberen Atemwege von denen der tieferen Atemwege unterscheiden.

Zu den oberen Atemwege zählen die Schleimhäute der Nase, der Nasennebenhöhlen, des Rachens und der Mundhöhle.

Bei Entzündungen der unteren Atemwege sind die Schleimhäute des Kehlkopfes, der Luftröhre, der Bronchien und der Lungenbläschen betroffen.

Je nachdem, wo der Husten entsteht, unterscheidet sich sein Klang.

In den relativ weiten Hohlräumen der oberen Luftwege, vor allem im Rachen, entsteht ein tiefer, sehr lauter Husten. In den unteren Atemwegen wird ein höherfrequenter, oft etwas erstickt und leiser klingender Husten erzeugt, der zudem oft von Störungen der Atmung begleitet ist. Dabei kann man beobachten, dass die Kinder erschwert ausatmen, dass sich die Haut des Brustkorbes zwischen den Rippen bei der Einatmung nach innen wölbt, dass die Kinder sehr schnell atmen und dass Sie bei dem Auflegen Ihres Ohres auf den Brustkorb Ihres Kindes oft pfeifende, quietschende, knackende oder brodelnde Geräusche hören.

Der Klang des Hustens kann daher seinem Entstehungsort zugeordnet werden. Husten aus den oberen Atemwegen klingt somit dunkler und lauter, aus den unteren Atemwegen leiser und heller. Man kann sich die Unterschiede vielleicht besser mit dem Vergleich einer Basstrommel und einer Handtrommel vorstellen.

Eltern sind oft besonders besorgt, wenn der Husten laut und tief klingt. Gerade dann aber stammt er meist aus den oberen Atemwegen und charakterisiert die weniger problematischen Entzündungen hier. Die stärker beeinträchtigenden und aus medizinischer Sicht schwerwiegenderen Erkrankungen sind jedoch die der unteren Atemwege. Hier klingt der Husten eher leiser und heller. In solchen Fällen ist die Vorstellung beim Kinderarzt in jedem Falle angeraten.

Einen besonderen Klang erlangt der Husten bei Entzündung des Kehlkopfes. Da hier die ausgestoßene Luftsäule plötzlich auf die Enge der Stimmlippen trifft, kommt es zu einem knallenden, bellenden Husten und bei der Einatmung entsteht ein jauchzendes Geräusch, so, wie wenn ein Luftstrom über das Mundstück einer Flöte mit hohem Druck streift.

Dieses Geräusch, im medizinischen Sprachgebrauch inspiratorischer Stridor genannt, geht häufig mit einer angestrengter Einatmung einher.

Aufgrund der manchmal bedrohlichen Einengung der Stimmlippen entwickeln die Kinder auch rasch eine Atemnot. Hier ist die Behandlung mit abschwellenden Medikamenten (mit Cortisonpräparaten) eine wichtige Maßnahme – neben der Beruhigung der Kinder und der Linderung der Schwellung im Bereich der Stimmlippen durch kühle Luft. Gewöhnliche, virale Kehlkopfentzündungen, auch Pseudokrupp genannt, treten zumeist zwischen 21:00 und 23:00 Uhr auf.

Sollte Ihr Kind die Symptome einer Kehlkopfentzündung haben, dabei aber zusätzlich hohes Fieber, starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, sodass manchmal sogar der Speichel aus dem Mund läuft, und das Kind röchelt oder „karchelt“, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gefährliche bakterielle Entzündung des Kehldeckels, eine sogenannte Epiglottitis, vor. Hier handelt es sich um einen besonderen Notfall. Bringen Sie das Kind daher unverzüglich auf dem kürzesten Weg in die nächstgelegene Klinik.

Wird der Husten von Schmerzen hinter dem Brustbein begleitet, ist oft die Luftröhre betroffen.

Bei Entzündungen der Bronchien ist meist die Ausatmung erschwert und die Kinder pressen die Luft aus dem Brustkorb heraus. Bei genauer Beobachtung kann man dann erkennen, dass die Dauer der Ausatmung die der Einatmung übersteigt.

Man kann die Entzündung der Bronchien, die Bronchitis, in zwei Krankheitsgruppen unterteilen – die einfache und die obstruktive Bronchitis. Kinder reagieren bei der obstruktiven Bronchitis häufig zusätzlich zur Schleimsekretion mit einer Anspannung der Muskulatur der Bronchien. Dann verursacht der zähe Schleim in den Bronchien bei zusätzlicher Verkrampfung der Bronchien ein pfeifendes, knarrendes oder quietschendes Geräusch bei der Ausatmung, was auch Eltern gut hören können, wenn sie ihr Ohr auf den Brustkorb ihres Kindes legen.

Glücklicherweise sind Entzündungen der unteren Atemwege sehr viel seltener als die der oberen Atemwege. Weit über 90% aller Luftwegsentzündungen bei Kindern sind einfache, meist virale Entzündungen des Nasenrachenraumes.

Bei allen entzündlichen Erkrankung der Atemwege helfen Inhalationen, die Schleimhäute zu befeuchten, den Abtransport der Krankheitserreger durch den Husten zu erleichtern und den Flüssigkeitsverlust der Schleimhäute auszugleichen. Außerdem wird durch die Feuchtigkeitszufuhr der Schleim dünnflüssiger und kann besser abgehustet werden.

Bei Entzündungen des Rachens entsteht ein sehr unangenehmer Reizhusten dadurch, dass die oberste Zellschicht der Rachenschleimhaut durch die zumeist virale Infektion geschädigt und abgestoßen wurde. Dies begünstigt den Austritt von Flüssigkeit aus der Schleimhaut, die durch die Inhalation ersetzt werden sollte. Außerdem erleichtert es die Reizung der Schleimhautnerven, denen die schützende Deckschicht fehlt. Sie werden durch den Luftzug und das Nasensekret häufig unerträglich gereizt, sodass die Kinder an einem quälenden Reizhusten leiden. Daher sollten die Kinder häufig in kleinen Schlucken Wasser oder Tee, zum Beispiel Salbeitee, trinken, um die Schleimhaut des Rachens zu benetzen. Allgemein ist das Trinken oft sogar wirksamer als das Inhalieren, was die Befeuchtung der Rachenhinterwand angeht. Außerdem hilft es, wenn man durch Hochlagern des Oberkörpers im Schlaf verhindert, dass das Sekret der Nase auf die Rachenhinterwand läuft und den quälenden nächtlichen Reizhusten immer wieder anstößt. Auch abschwellende Nasentropfen wirken in diesem Sinne.

Die Behandlung der Atemwegsentzündungen mit Inhalationen sollte zwischen den oberen und unteren Luftwegen unterscheiden.

Für die Behandlung der recht seltenen unteren Atemwegsentzündungen eignen sich besonders mechanische Vernebler, die speziell dafür konstruiert wurden, mit hochfrequenten Schwingungen extrem kleine Wassertröpfchen aus dem Inhalat herauszureißen, sodass ein kalter Flüssigkeitsnebel (ein Aerosol) entsteht. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Flüssigkeitstropfens so klein sind, dass sie mit der Atemluft bis in die Bronchien und Lungenbläschen schweben können. Daher eignen sich Aerosole besonders zur Behandlung einer Bronchitis, eines Asthma bronchiale und einer Lungenentzündung. Außerdem kann man ihnen Medikamnete zusetzen, die spezielle Wirkungen entfalten.

Glücklicherweise machen diese Erkrankungen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Atemwegsentzündungen aus.

Eltern können durch Beachtung der oben gegebenen Hinweise zur Art des Hustens, zur Atemmechanik und zu den Geräuschen, die sie bei der Atmung wahrnehmen können, mit etwas Übung unterscheiden, ob ihr Kind an einer sehr häufigen oberen oder an einer wesentlich selteneren unteren Atemwegserkrankung leidet.

Bei den sehr häufigen Entzündungen des der oberen Atemwege, vornhemlich des Nasenrachenraumes, hat die Inhalation mit warmem Salzwasser besondere Vorteile. Das Aufkochen von Wasser mit Meersalz führt zur Bildung meersalzhaltiger Dämpfe. Diese Dämpfe transportieren eine größere Wassermenge als kalte Aerosole, wie sie von Inhalationsgeräten erzeugt werden. Damit befeuchten sie wesentlich effektiver die Schleimhaut der oberen Atemwege. Die größeren Wassertropfen gelangen allerdings oft nicht bis in die tiefsten, kleineren Atemwege der Bronchien und der Lungenbläschen, sodass die Wirkung bei Erkrankungen der unteren Atemwege der der Kaltnebel-Aerosoltherapie unterlegen ist.

Für die oberen Atemwege haben warme Salzwasserdämpfe jedoch noch weitere Vorteile, die diese seit Generationen geübte Technik für die Anwendung bei den häufigen Nasenracheninfekten geradezu empfiehlt.

Meersalz enthält ein Gemisch verschiedenster Salze, wie zum Beispiel Natriumchlorid aber auch Brom-und Schwefelsalze. Diese Salzmischung hat einen besonderen Effekt auf die Heilung der Entzündung. Pharmazeutische Kochsalzlösungen enthalten ausschließlich reines Natriumchlorid. Ihnen fehlen die speziellen Wirkungen der Brom- und Schwefelsalze!

Die jahrhundertealte, gute Erfahrung mit Inhalationen von warmen Salzdämpfen wird durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigt. So ist nachgewiesen, dass Inhalationen mit warmen Thermalwasserdämpfen nicht nur die Schleimverflüssigung und die Befeuchtung der entzündeten Schleimhaut bewirken. Darüber hinaus führen sie zur Stärkung des Immunsystems, wie zum Beispiel zur stärkeren Bildung von Immunglobulinen und sogenannten Interleukinen. Das sind Signalstoffe, die von weißen Blutkörperchen gebildet werden, um das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten des Immunsystems zu steuern.

Eine Meersalzwasserinhalation ist leicht zuzubereiten. Prinzipiell ist Haushaltssalz Meersalz, da es entweder aus vorzeitlichen oder heutigen Meeren abgesondert wurde. Es eignet sich daher hervorragend für medizinische Salzdampfinhalationen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit, die Konzentration des Salzes selbst zu variieren. Auch im Körper liegen Salze in den Körperflüssigkeiten gelöst vor. Man orientiert sich daher an der sogenannten physiologischen Kochsalzkonzentration, die bei 0,9 g Kochsalz pro 100 ml Flüssigkeit liegt. Diese 0,9%ige Konzentration findet auch bei den meisten Kaltnebelinhalationen Verwendung. Wenn Sie für die Warmwasserinhalation eine Kochsalzlösung herstellen, können Sie aber zur besseren Schleimverflüssigung die Konzentration des Kochsalzes erhöhen, zum Beispiel auf eine 1,8%ige Lösung. Verwenden Sie dafür nicht Kochsalzlösungen aus pharmazeutischen Ampullen.

Dazu muss man wissen, dass 1 gehäufter Teelöffel (Mitte) 10 g Kochsalz enthält. Die folgende Abbildung zeigt verschiedene Löffel, wovon die Eierlöffel links, gehäuft 9 g Kochsalz enthalten, die etwas größeren Kaffeelöffel rechts, gehäuft 11 g Kochsalz enthalten.

Eierlöffel (links) gehäuft 9 g, Teelöffel (Mitte) gehäuft 10 g, Kaffeelöffel (rechts) gehäuft 11 g Kochsalz enthaltend

Im Allgemeinen kann man also davon ausgehen, dass beim Aufkochen von 1,111 Litern Leitungswasser mit einem gehäuften Teelöffel Kochsalz (10g) eine 0,9%ige Salzlösung zur Inhalation entsteht. 0,9% bedeutet 0,9 g Salz auf 100 ml (1 dl) Flüssigkeit. Bezogen auf 1 l (1000 ml oder 10 dl) muss man daher 9 g Salz rechnen. Da ein durchschnittlicher Teelöffel gehäuft 10 g Salz enthält, erreicht man die 0,9%ige Konzentration, wenn man diese Menge zu 1,1 l Wasser gibt.

Werden in die gleiche Menge Leitungswasser 2 gehäufte Teelöffel Salz gegeben, beträgt die Konzentration 1,8% und wirkt noch etwas stärker schleimlösend als die gewöhnliche, 0,9%ige, Lösung. Für die meisten Fälle empfiehlt sich die 0,9%ige Lösung, bei zähem, festsitzendem Schleim, kann auf die 1,8%ige Lösung übergegangen werden.

 

Selbstverständlich sind wichtige Vorsichtsmaßnahmen bei Warmwasserinhalationen mit Kindern zu beachten. Die Hauptgefahr liegt darin, dass das Kind sich an der Lösung verbrüht. Daher ist es wichtig, einen Sicherheitsabstand zur heißen Salzwasserlösung einzuhalten. Dazu nehmen Sie am besten das Kind auf ihren Schoß und wickeln es in ein Tuch ein, sodass mit den Zipfel des Tuches, zum Beispiel eines großen Badetuches, die Arme umhüllt werden und Sie so mit einer Hand das Kind sicher und fest halten können, ohne dass es mit seinen Händen in die Wasserschüssel fasst. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Dämpfe nicht zu heiß sind. Dazu empfiehlt es sich, kein Tuch über den Kopf des Kindes und die Wasserschüssel zu legen, sondern einen Abstand von reichlich 1 m zur Wasserschüssel einzuhalten und gegebenenfalls mit einer Hand dem Kind die Dämpfe zuzufächeln.

 

Bei der Inhalation mit einem Vernebler für kalte Aerosole ist es wichtig, die Inhalationsmaske bündig auf Nase und Mund des Kindes zu halten, um eine effektive Inhalation zu gewährleisten.