{"id":8480,"date":"2024-01-18T17:15:47","date_gmt":"2024-01-18T16:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/scholbach.de\/?page_id=8480"},"modified":"2024-01-19T21:54:05","modified_gmt":"2024-01-19T20:54:05","slug":"zum-problem-der-winkelmessung-beim-wilkie-syndrom","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/scholbach.de\/de\/zum-problem-der-winkelmessung-beim-wilkie-syndrom","title":{"rendered":"Zum Problem der Winkelmessung beim Wilkie-Syndrom"},"content":{"rendered":"<p>Zum Problem der Winkelmessung beim <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/wissenschaft\/deutsch-ultraschalldiagnostik\/deutsch-gefaskompressionen\/arteria-mesenterica-superior-syndrom\">Wilkie-Syndrom<\/a><\/p>\n<p>Die Kompression des Duodenums zwischen Aorta und Arteria mesenterica superior kann zur Passagest\u00f6rung in der Pars horizontalis duodeni f\u00fchren mit \u00a0postprandial heftigen Oberbauchschmerzen, Erbrechen, Aufsto\u00dfen, \u00dcbelkeit und kann dann erheblichen Gewichtsverlust nach sich ziehen. Dieses Krankheitsbild wird als Arteria mesenterica superior Syndrom, SMA-Syndrom oder Wilkie-Syndrom bezeichnet.<\/p>\n<p>Zur Diagnostik dieses Krankheitsbildes ist eine funktionelle Sonografie w\u00e4hrend und nach der Nahrungsaufnahme erforderlich, die zeigt, dass die Nahrung gegen die Klemme aus Aorta und Arteria mesenterica superior anrennt und dabei der rechtsseitige Anteil der horizontalen Portion des Duodenums sich erheblich aufweitet, wobei der Anteil zwischen den beiden Arterien eng bleibt. Dabei sollte es in typischen F\u00e4llen zu einer Konfiguration wie bei einer geschweiftem Klammer kommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8481\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scholbach.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Clipboard02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8481\" class=\"wp-image-8481 size-full\" src=\"https:\/\/scholbach.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Clipboard02.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"232\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8481\" class=\"wp-caption-text\">Kompression des Duodenums bei hohem peristaltischem Druck und noch h\u00f6herem Gegendruck der Gef\u00e4\u00dfklemme aus Aorta ( untern) und A. mesenterica superior (oben)<\/p><\/div>\n<p>Damit wird deutlich, dass eine starke treibende Kraft, das Duodenum gegen die Klemme aus Aorta und Arteria mesenterica superior dr\u00e4ngt, sodass sich das Duodenum maximal erweitert und dennoch nicht in der Lage ist, den Spalt zwischen Aorta und superior ausreichend aufzuweiten, um einen ausreichenden Nahrungstransport zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archintsurg.org\/articles\/2016\/6\/1\/images\/ArchIntSurg_2016_6_1_51_187201_f2.jpg\">H\u00e4ufig wird die Diagnose gestellt, wenn der Winkel zwischen Aorta und Arteria mesenterica superior schmal ist.<\/a><\/p>\n<p>In meiner eigenen jahrelangen Erfahrung mit vielen Patienten, die unter der Verdachtsdiagnose eines Wilkie-Syndroms vorgestellt wurden, muss ich davon abraten, sich auf dieses Winkelzeichen zu verlassen.<\/p>\n<p>Aus mehreren Gr\u00fcnden ist dieses Zeichen vollkommen unzuverl\u00e4ssig:<\/p>\n<ul>\n<li>Erstens kann sich w\u00e4hrend der Nahrungspassage der Winkel zwischen beiden Gef\u00e4\u00dfen erweitern, da das Duodenum normalerweise gen\u00fcgend Kraft aufbringt, die Arteria mesenterica superior anzuheben. Da die Winkelmessung zwischen beiden Arterien h\u00e4ufig n\u00fcchtern vorgenommen wird, ist leicht einsehbar, dass ein enger aorto-mesenterialer Winkel bei einem n\u00fcchternen Patienten kein verl\u00e4ssliches Kriterium sein kann, da im Alltag die Probleme nicht bei leerem sondern bei vollem Magen auftreten. Auch eine CT-Aufnahme nach Nahrungsaufnahme kann in die Irre f\u00fchren, da das Duodenum sich nur in gr\u00f6\u00dferen Abst\u00e4nden kontrahiert. Sollte die Aufnahme zwischen zwei Kontraktionswellen gemacht worden sein, kann der Winkel zwischen beiden Arterien wieder kollabieren und daher eine Engstelle vort\u00e4uschen, die bei Kontraktion des Duodenums verschwindet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die einzige verl\u00e4ssliche Methode ist hier die funktionelle Sonografie, das hei\u00dft die kontinuierliche Beobachtung der Pars horizontalis duodeni und der anderen Duodenalanteile nach Nahrungsaufnahme, wobei der Patient eine bedeutende Rolle spielt. Er muss n\u00e4mlich beschreiben, welche Symptome auftreten oder nicht auftreten, sobald die Nahrung zwischen Aorta und Arterie mesenterica superior hindurchtritt. Diese Passage wird am Bildschirm gemeinsam mit dem Patienten verfolgt. Dies ist im CT oder MRT ohnehin nicht m\u00f6glich, da der Patient alleine im Raum ist. Nur aus der Kombination von subjektiven Symptomen, die der Patient schildert und dem gleichzeitigen Stopp der peristaltischen Welle an der Gef\u00e4\u00dfklemme kann die Diagnose zuverl\u00e4ssig gestellt werden.<\/p>\n<p>Allenfalls k\u00f6nnen \u00e4hnliche Aussagen bei einer Durchleuchtung nach Nahrungsaufnahme gemacht werden. Hier aber sieht man die Arterien nicht direkt, der Darm ist gut erkennbar, da er mit kontrastreicher \u201eNahrung\u201c (Bariumbrei) gef\u00fcllt ist. Aber es kann gezeigt werden, ob es zu einem Aufstau in der rechtsseitigen Portion der Pars horizontalis duodeni kommt. Allerdings ist die Untersuchung mit einer Strahlenbelastung verbunden, wohingegen die Ultraschalluntersuchung vollkommen unsch\u00e4dlich ist und jene Nahrung verwenden kann, die dem Patienten im wirklichen Leben besondere Schwierigkeiten macht.<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Winkelmethode ist au\u00dferdem zu beachten, dass bei Betrachtung des Winkels von der Seite (Winkelmessung in der Sagittalebene) ein schmaler Winkel auch dann erscheinen kann, wenn die Arterien seitlich voneinander abweichen. Dann entsteht bei einem schmalen Winkel in seitlicher Betrachtung ein weiter Winkel bei der Betrachtung von oben (Frontalebene). <a href=\"https:\/\/actagastro.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/CC20021-IMG02.jpg\">H\u00e4ufig wird jedoch nur der Winkel in der Sagittalebene bestimmt<\/a>. Das Duodenum kann sich aber unter der seitlich ausgewichenen Arteria mesenterica superior hindurchschl\u00e4ngeln und \u00fcber die Aorta hinwegschl\u00e4ngen, ohne \u00fcberhaupt an irgendeiner Stelle eingeengt zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Winkelmessungen ist daher ungeeignet, um ein Wilkie-Syndrom nachzuweisen oder auszuschlie\u00dfen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Problem der Winkelmessung beim Wilkie-Syndrom Die Kompression des Duodenums zwischen Aorta und Arteria mesenterica superior kann zur Passagest\u00f6rung in der Pars horizontalis duodeni f\u00fchren mit \u00a0postprandial heftigen Oberbauchschmerzen, Erbrechen, Aufsto\u00dfen, \u00dcbelkeit und kann dann erheblichen Gewichtsverlust nach sich ziehen. Dieses Krankheitsbild wird als Arteria mesenterica superior Syndrom, SMA-Syndrom oder Wilkie-Syndrom bezeichnet. 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