{"id":8419,"date":"2023-12-23T15:49:45","date_gmt":"2023-12-23T14:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/scholbach.de\/?page_id=8419"},"modified":"2024-04-03T13:51:04","modified_gmt":"2024-04-03T11:51:04","slug":"why-the-diagnosis-of-a-psychosomatic-illness-is-often-a-misdiagnosis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/scholbach.de\/de\/why-the-diagnosis-of-a-psychosomatic-illness-is-often-a-misdiagnosis","title":{"rendered":"Warum die Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung h\u00e4ufig eine Fehldiagnose ist"},"content":{"rendered":"<p>Viele Patienten mit chronischen, <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/beyond-psychosomatics-your-symptoms-explained\">schwer oder nicht zu erkl\u00e4renden Symptomen<\/a>, werden von ihren behandelnden \u00c4rzten als psychosomatisch erkrankt angesehen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig wird die Diagnose nach einer unzureichenden Diagnostik der Beschwerden gestellt.<\/p>\n<p>Die Symptome von Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndromen sind besonders mannigfaltig und schwer zu deuten. Patienten mit diesen Erkrankungen sind daher h\u00e4ufig von der Fehldiagnose einer psychosomatischen Erkrankung betroffen.<\/p>\n<p>Oft wird nach ergebnisloser Routinediagnostik behauptet, \u201cIhre Symptome haben ihren Ursprung in Ihrem Kopf!\u201c, \u201eSie haben nichts, Ihre Beschwerden haben rein psychische Ursachen!\u201c, \u201eSie sind gesund, alle Untersuchungen sind negativ, Ihre Beschwerden sind eingebildet.\u201c.<\/p>\n<p>Oft wird dann eine psychosomatische Behandlung empfohlen, nach deren Absolvierung die Patienten weiter an ihren urspr\u00fcnglichen Symptomen leiden. Sowohl der behandelnde Arzt als auch der Patient sind dann entt\u00e4uscht, da keine Linderung erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Die Patienten f\u00fchlen sich h\u00e4ufig alleingelassen, sind frustriert, f\u00fchlen sich abgewertet und werden schwerm\u00fctig, manchmal auch suizidal.<\/p>\n<p>Wie kommt es zu solchen Fehleinsch\u00e4tzungen?<\/p>\n<p>Es gibt keine allgemein anerkannten Kriterien f\u00fcr die prim\u00e4re Diagnose von psychosomatischen Erkrankungen! In der Regel wird so vorgegangen, dass organische Erkrankungen \u201eausgeschlossen\u201c werden. Bleiben die entsprechenden Untersuchungen ohne Ergebnis, wird schlichtweg behauptet, es handele sich um eine psychische Erkrankung bzw. die k\u00f6rperlichen Beschwerden haben rein psychische oder im wesentlichen psychische Ursachen.<\/p>\n<p>Dieses allgemein in der Psychosomatik verbreitete Vorgehen ist allerdings in vielen F\u00e4llen bestenfalls ein hilfloser Versuch, eine Situation zu beruhigen, die begleitenden psychischen Beschwerden eines Patienten bei zugrunde liegender schwerer organischer Erkrankung zu lindern oder gar in manchen F\u00e4llen den Patienten einfach loszuwerden.<\/p>\n<p>Bei genauer Betrachtung erweist sich dieses weitverbreitete Vorgehen als vollkommen unlogisch.<\/p>\n<p>Um das zu verstehen, muss man nicht Medizin studiert haben.<\/p>\n<p>Wenn ich etwas nicht wei\u00df, sollte ich nicht behaupten, dass ich es wei\u00df. Stattdessen sollte man sich das Nichtwissen eingestehen und nicht versuchen die L\u00fccke mit unbegr\u00fcndeten Behauptungen oder Erkl\u00e4rungen zu f\u00fcllen. Leider wird oft angenommen, dass das, was nicht somatisch erkl\u00e4rt werden kann psychisch zu erkl\u00e4ren ist. Diese Betrachtung \u00fcbersieht, dass der Mensch zwar als Einheit von Psyche und K\u00f6rper aufgefasst werden kann, das jedoch zum Beispiel das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Moderne Medizin hat sich jedoch in viele Spezialisierungen und Subspezialisierungen gegliedert, wobei selten \u00fcber die Grenzen des eigenen Fachgebietes hinausgesehen wird. So sind Wechselwirkungen von Organsystemen, Fernwirkungen durch Transport von Substanzen im Blut und durch Weiterleitung von Nervensignalen, physikalische Effekte der Gravitation auf verschiedene Organsysteme Beispiele f\u00fcr Ursachen von Beschwerden, die bei der Beschr\u00e4nkung auf ein einzelnes Fachgebiet nicht erfasst werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass menschliches Wissen allgemein begrenzt ist und daher nicht auf jede Frage eine Antwort gefunden werden kann, muss sowohl vom Arzt als auch vom Patienten akzeptiert werden. Diese Erkenntnis ist allerdings schwer zu ertragen. Daher werden h\u00e4ufig esoterische, ungepr\u00fcfte alternativmedizinische oder psychische, spirituelle oder frei erfundene Zusammenh\u00e4nge als Ursache herbeigezogen.<\/p>\n<p>Dabei bieten sich h\u00e4ufig auch in scheinbar aussichtslosen F\u00e4llen Ansatzpunkte f\u00fcr eine weitergehende Diagnostik. Dazu muss man h\u00e4ufig die Grenzen eines Fachgebietes \u00fcberschreiten oder die Grundlagenf\u00e4cher der Medizin wie Physiologie, Anatomie, Biochemie, Biophysik, Genetik und andere zurate ziehen. H\u00e4ufig findet sich auch in scheinbar aussichtslosen F\u00e4llen ein Weg zur Erkenntnis, aus dem Hilfen abgeleitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sicher gibt es auch F\u00e4lle von schweren psychischen Belastungen, die k\u00f6rperliche Folgen nach sich ziehen, zum Beispiel durch l\u00e4ngere Immobilisation bei verminderter k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t infolge von Depressionen, selbstverletzendes Verhalten bei Selbstwertproblemen und \u00c4hnliches.<\/p>\n<p>Die meisten Patienten jedoch, bei denen eine psychosomatische Diagnose unterstellt wird verneinen am Beginn ihrer Erkrankung psychische Beeintr\u00e4chtigungen und leiden im Wesentlichen unter ihren k\u00f6rperlichen Symptomen. Nat\u00fcrlich besteht immer eine Wechselwirkung von k\u00f6rperlichem und psychischem Befinden. Daraus kann jedoch nicht gefolgert werden, dass k\u00f6rperliche Symptome auf eine psychische St\u00f6rung zur\u00fcckgehen, wenn diese psychische St\u00f6rung nicht nachgewiesen werden kann und wenn unter Behandlung der psychischen St\u00f6rung die Beschwerden k\u00f6rperlicher Art nicht zur\u00fcckgehen. Abgesehen davon kann der Kausalzusammenhang von bestimmten psychischen Belastungsfaktoren zu bestimmten k\u00f6rperlichen Symptomen in der Regel nicht hergestellt werden.<\/p>\n<p>Das Eingest\u00e4ndnis, ich wei\u00df nicht, was sie haben, w\u00fcrde dem Patienten viel mehr helfen. Im besten Fall w\u00fcrde der Arzt, dessen Wissensgrenze erreicht ist, Rat bei anderen Kollegen suchen oder sich selbst weiterbilden. Es ist nicht ungew\u00f6hnlich, mit seinem Wissen nicht mehr weiterzukommen. \u00c4rzte haben jedoch den Anspruch ihren Patienten zu helfen, d.h. ihre Beschwerden zu lindern. Es ist f\u00fcr sie nicht einfach, sich selbst eingestehen zu m\u00fcssen, dass ihre F\u00e4higkeiten dazu in vielen F\u00e4llen nicht ausreichen. Wenn sie dann das Problem ausschlie\u00dflich beim Patienten lokalisieren, indem sie seine k\u00f6rperlichen Symptome einer psychischen St\u00f6rung das zusammen, sch\u00e4digen sie den Patienten, und entlasten sich dabei.<\/p>\n<p>Nicht selten werden irrationale sogenannte alternative Heilmethoden als letzte Ausflucht empfohlen.<\/p>\n<p>Ein besserer Weg w\u00e4re es, gemeinsam mit dem Patienten nach einer L\u00f6sung zu suchen, begleitende Hilfen zu organisieren (was h\u00e4ufig auch getan wird), Kontakt zu spezialisierten Kollegen und Forschern aufzunehmen (was schon wesentlich seltener genutzt wird), die Ressourcen des Internets f\u00fcr die Diagnostik zu nutzen (was von vielen \u00c4rzten Patienten jedoch sogar abgeraten wird!) und den Patienten als Mitmenschen zu unterst\u00fctzen und Mitgef\u00fchl zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wenn Sie als Patient an schweren k\u00f6rperlichen Symptomen leiden, f\u00fcr die bislang keine Ursache gefunden werden konnte, geben Sie sich mit der Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung nicht zufrieden. Suchen Sie Hilfe bei anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen, tauschen Sie sich aus, ziehen Sie das Internet zurate. Achten Sie bei den Hilfestellungen aus dem Internet jedoch darauf, dass das, was dort als L\u00f6sung angeboten wird, f\u00fcr sie logisch nachvollziehbar ist. Legen Sie Wert darauf, dass die Behauptungen durch Fakten belegt werden. Pr\u00fcfen Sie nach, was sie im Internet lesen und st\u00fctzen sich dabei auf wissenschaftliche Literatur. Gute Quellen sind \u00a0<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/advanced\/\">Pubmed<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.omim.org\/\">OMIM<\/a> und <a href=\"https:\/\/scholar.google.de\/\">Google Scholar<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome sind ein Beispiel f\u00fcr eine schwere organische Erkrankung, die h\u00e4ufig als psychosomatische fehlgedeutet wird. Grund daf\u00fcr sind die zahlreichen und vielgestaltigen Beschwerden, die sich auf den ganzen K\u00f6rper verteilen k\u00f6nnen, die h\u00e4ufig verschiedene Organsysteme betreffen und die von der K\u00f6rperhaltung, der Nahrungsaufnahme oder dem Schlaf-Wach-Rhythmus abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Vergleichen Sie Ihre Beschwerden mit denen der <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/gefaesskompressionsphaenomene-darstellung-fuer-patientinnen-und-patienten\/checkliste-gefaesskompressionssyndrome#gsc.tab=0\">Liste der Symptome von Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndromen<\/a>i. Finden Sie dort h\u00e4ufige \u00dcbereinstimmungen, gehen Sie dieser Verdachtsdiagnose weiter nach. Lassen Sie sich nicht entmutigen! Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome sind medikament\u00f6s, durch k\u00f6rperliches Training und auch chirurgisch oft gutem bis sehr gutem Effekt zu behandeln. <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/what-patients-say-continuition\">Zahlreiche erfolgreich behandelte Patienten sind der Beweis!<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Patienten mit chronischen, schwer oder nicht zu erkl\u00e4renden Symptomen, werden von ihren behandelnden \u00c4rzten als psychosomatisch erkrankt angesehen. H\u00e4ufig wird die Diagnose nach einer unzureichenden Diagnostik der Beschwerden gestellt. Die Symptome von Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndromen sind besonders mannigfaltig und schwer zu deuten. Patienten mit diesen Erkrankungen sind daher h\u00e4ufig von der Fehldiagnose einer psychosomatischen Erkrankung betroffen. 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