{"id":5818,"date":"2020-06-16T18:37:43","date_gmt":"2020-06-16T18:37:43","guid":{"rendered":"https:\/\/scholbach.de\/?page_id=5818"},"modified":"2023-09-25T15:32:40","modified_gmt":"2023-09-25T13:32:40","slug":"deutsch-embolisation-irrweg-bei-venoesen-kompressionssyndromen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/scholbach.de\/de\/deutsch-embolisation-irrweg-bei-venoesen-kompressionssyndromen","title":{"rendered":"Embolisation : Irrweg bei ven\u00f6sen Kompressionssyndromen"},"content":{"rendered":"<p>Die Embolisation erweiterter Venen bei Kompressionssyndromen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn der R\u00fcckstrom des ven\u00f6sen Blutes zum Herzen gest\u00f6rt wird dehnen sich die betroffenen Venen aus. Eine Ursache daf\u00fcr kann zum Beispiel die Kompression einer Vene sein. Das ven\u00f6se Blut staut sich dann vor dem Str\u00f6mungshindernis. Dort baut sich ein erh\u00f6hter Blutdruck auf, der zur Verlangsamung der Blutstr\u00f6mung vor dem Hindernis f\u00fchrt. Am Hindernis selbst kommt es zu einer stark beschleunigten Str\u00f6mung. Die Situation ist der eines Stausees vergleichbar. Im Stausee stagniert der Fluss, an der Staumauer st\u00fcrzt sich die Str\u00f6mung stark beschleunigt \u00fcber das Hindernis.<\/p>\n<p>Im Fall der ven\u00f6sen Kompressionssyndrome kommt es daher auf der dem Herzen abgewandten Seite der Kompression zu einem hohen Druckaufbau. Die Vene dehnt sich dadurch wie ein Stausee aus. Diese Dehnung ist sehr schmerzhaft. Die Verlangsamung der Blutstr\u00f6mung kann so weit gehen, dass \u00fcberhaupt kein Blut mehr auf normalem Wege abflie\u00dft. In der aufgestauten Vene besteht ein h\u00f6heres Risiko zur Entwicklung von Thrombosen. Von dort k\u00f6nnen sich Embolien ausbreiten, meist als Lungenembolie, in manchen F\u00e4llen auch als Schlaganfall.<\/p>\n<p>Ab einer gewissen H\u00f6he des Stauungsdruckes muss sich das aus der Peripherie anstr\u00f6mende Blut neue Wege zum Herzen suchen. Dazu flie\u00dft es \u00fcber kleinere Venen ab. Normalerweise str\u00f6mt der nun gestauten, gr\u00f6\u00dferen Vene, das Blut aus diesen kleineren Venen zu. Durch die Stauung steigt der Druck in der Hauptvene jedoch so stark an, dass nun das Blut in die kleineren Venen zur\u00fcckflie\u00dft. Das bedeutet, dass die Organe, aus denen das Blut kommt, nun mit zus\u00e4tzlichem ven\u00f6sem Blut \u00fcberflutet werden, anstatt sich zu entlasten. Dies f\u00fchrt zu starken Schmerzen in den betroffenen Organen. Zumeist sind dies im Becken der linke Eierstock und die Geb\u00e4rmutter, oft auch die Scheide und der Mastdarm, bei M\u00e4nnern die Prostata.<\/p>\n<p>Diese sogenannten Mittellinienorgane nehmen nun das Blut aus der gestauten Beckenvene auf und leiten es auf die rechte Seite ab. Dazu flie\u00dft Blut aus der linken Beckenvene r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber die kleineren Organvenen in die betroffenen Mittellinienorgane, r\u00fcckw\u00e4rts durch diese Organe, auf die rechte Seite dieser Organe und von dort in die rechtsseitigen Beckenvenen.<\/p>\n<p>Diese Situation wird als pelvines Kongestionssyndrom bezeichnet.<\/p>\n<p>Bei der Untersuchung der betroffenen Patientinnen und Patienten fallen h\u00e4ufig stark erweiterte Venen im Becken, im Dammbereich, in den inneren und \u00e4u\u00dferen Genitalien oder am Mastdarm (H\u00e4morrhoiden) auf. Besonders auff\u00e4llig ist die Erweiterung der linken Eierstocksvene\/Hodenvene (Vena ovarica sinistra\/Vena spermatica sinistra), die mit stark erweiterten Venen an der Geb\u00e4rmutter oder an der Prostata in Verbindung steht.<\/p>\n<p>Da diese Venen bei der Untersuchung der Patienten sehr schmerzhaft sind wird nun nicht selten empfohlen, diese Venen auszuschalten.<\/p>\n<p>Diese Empfehlung wird unter der Vorstellung ausgesprochen, dass die Unterbrechung der Durchblutung in diesen gestauten Venen die Schmerzen lindern m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Daher wird den Patientinnen und Patienten empfohlen, mittels eines Katheters, der \u00fcber periphere Venen, zumeist aus der Leistengegend, eingef\u00fchrt wird, diese Venen zu verschlie\u00dfen. Dazu wird die Vena ovarica sinistra, oft auch zahlreiche Venen um die Geb\u00e4rmutter herum und die Vena ovarica dextra, die rechte Eierstocksvene, mit Drahtkn\u00e4ulen, sogenannten Coils, verschlossen. Dieser Vorgang wird als Embolisation oder Coiling bezeichnet.<\/p>\n<p>Leider ist diesen Ma\u00dfnahmen nicht selten nur kurzer Erfolg beschieden. Bei der Planung des Eingriffes wird oftmals vollkommen au\u00dfer Acht gelassen, warum die Venen erweitert sind, die man zu verschlie\u00dfen beabsichtigt. Es wird ohne weitere beweisende Diagnostik behauptet, dass die Venen erschlafft seien und dass daher das Blut in ihnen versackt oder in sie zur\u00fcckflie\u00dft.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen jedoch sind diese Venen deshalb erweitert, weil das Blut aus Ihnen nicht abflie\u00dfen kann. Es kann sich an einem Hindernis stauen, zum Beispiel am Kreuzbein oder der Wirbels\u00e4ule. Es kann aber andererseits auch eine gro\u00dfe Blutmenge aus anderen Organen in die gestaute Vene umgeleitet worden sein und deren Transportkapazit\u00e4t damit \u00fcberfordert haben. Dies ist regelm\u00e4\u00dfig beim sogenannten Nussknackerph\u00e4nomen der linken Nierenvene zu beobachten.<\/p>\n<p>Da die Diagnostik des Nussknackerph\u00e4nomens oftmals sehr schwierig ist, wird es h\u00e4ufig \u00fcbersehen. Nicht selten sogar wird die Diagnose in Abrede gestellt, obwohl gezielt nach ihr gesucht wurde! Die dazu eingesetzten Verfahren, die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie zeigen im Wesentlichen jedoch nur die erweiterten Venen. Die Blutstr\u00f6mungsrichtung und der Druck in den Venen werden jedoch nicht dargestellt. Au\u00dferdem bedarf es besonderer Erfahrung und der jahrelangen Besch\u00e4ftigung mit Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndromen, um mit den Standardverfahren der Radiologie das Nussknackerph\u00e4nomen in jedem Fall zu entdecken.<\/p>\n<p>Wird nicht erkannt, dass die Stauung der Venen auf einer Volumen\u00fcberladung durch das Nussknackerph\u00e4nomen oder durch eine Drucksteigerung durch den behinderten Abfluss des Blutes aus dem Becken verursacht wird, dann besteht ein sehr hohes Risiko f\u00fcr die Embolisation.<\/p>\n<p>Der Verschluss der erweiterten Venen verst\u00e4rkt regelm\u00e4\u00dfig die vorbestehenden Symptome. Zumeist ist nach dem Eingriff eine kurzzeitige Beschwerdelinderung zu beobachten, die nach wenigen Wochen oder Monaten in eine Verst\u00e4rkung der Schmerzen \u00fcber das vor dem Eingriff bestehende Ma\u00df hinausgeht. Dies liegt daran, dass mit dem Eingriff der Blutdruck in den gestauten Venen zun\u00e4chst sinkt. Die fehlende Dehnung der nun embolisierten Venen geht mit einer Reduktion der Schmerzen einher. Da aber die Ursache f\u00fcr die Erweiterung der Venen nicht erkannt wurde, bleibt ein hoher Druck in der vorgeschalteten linken Nierenvene oder in der linken Beckenvene bestehen. Dieser hohe Druck sucht weiter nach einer Entlastung, da mit der Embolisation die bis dahin bestehenden Umgehungskreisl\u00e4ufe verschlossen wurden, die bis dahin den R\u00fcckstrom des Blutes zum Herzen wenigstens unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten hatten. Nach deren Wegfall muss das Blut aus den gestauten Venen nun \u00fcber noch kleinere Venen als zuvor zum Herzen abtransportiert werden. Da die unver\u00e4ndert sehr hohe Blutmenge nun \u00fcber noch engere Gef\u00e4\u00dfe gedr\u00e4ngt wird, dehnen diese sich erneut sehr stark auf, im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Ausgangsgr\u00f6\u00dfe noch mehr als die embolisierten Venen, die zun\u00e4chst das Ziel der Behandlung waren. Daher kommt es nach einem kurzen Intervall der Schmerzreduktion oft zu unertr\u00e4glichen Schmerzen in den gleichen Regionen wie vor der Embolisation und zus\u00e4tzlich an anderen Stellen, wo sich nun neue Umgehungskreisl\u00e4ufe entwickeln.<\/p>\n<p>Daher ist prinzipiell von einer Embolisation erweiterter Venen im Bauch- und Beckenraum abzuraten, solange nicht mit Sicherheit Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome ausgeschlossen wurden.<\/p>\n<p>Die richtige Vorgehensweise in solchen F\u00e4llen ist die subtile Darstellung der Blutstr\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse in allen Venen des Bauch- und Beckenraumes, gegebenenfalls auch der Genitalregion, des R\u00fcckens, der Beine und anderer K\u00f6rperregionen mit dem Ziel die Blutvolumina in den Hauptvenen und den Umgehungskreisl\u00e4ufen zu messen. Nur so kann sichergestellt werden, dass ein Eingriff Erfolg hat. In der Regel kommt es darauf an, die eingeengten Gef\u00e4\u00dfe erneut f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Blutvolumina durchg\u00e4ngig zu machen. Mit der Embolisation wird das Gegenteil davon erreicht.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Embolisation erweiterter Venen bei Kompressionssyndromen &nbsp; Wenn der R\u00fcckstrom des ven\u00f6sen Blutes zum Herzen gest\u00f6rt wird dehnen sich die betroffenen Venen aus. Eine Ursache daf\u00fcr kann zum Beispiel die Kompression einer Vene sein. Das ven\u00f6se Blut staut sich dann vor dem Str\u00f6mungshindernis. Dort baut sich ein erh\u00f6hter Blutdruck auf, der zur Verlangsamung der Blutstr\u00f6mung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"footnotes":""},"class_list":["post-5818","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5818"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8235,"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5818\/revisions\/8235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}