{"id":3354,"date":"2019-08-07T05:26:39","date_gmt":"2019-08-07T05:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/scholbach.de\/?page_id=3354"},"modified":"2022-04-10T16:28:26","modified_gmt":"2022-04-10T16:28:26","slug":"%ce%b5%ce%bb%ce%bb%ce%b7%ce%bd%ce%b9%ce%ba%ce%ac-fehler-bei-der-therapie-von-gefaesskompressionssyndromen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/scholbach.de\/de\/wissenschaft\/deutsch-ultraschalldiagnostik\/deutsch-gefaskompressionen\/%ce%b5%ce%bb%ce%bb%ce%b7%ce%bd%ce%b9%ce%ba%ce%ac-fehler-bei-der-therapie-von-gefaesskompressionssyndromen","title":{"rendered":"Fehler bei der Therapie von Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndromen"},"content":{"rendered":"<p>Alle vaskul\u00e4ren Kompressionssyndrome k\u00f6nnen auf eine verst\u00e4rkte Lordose der Lendenwirbels\u00e4ule zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Es ist daher keine Seltenheit, dass mehrere Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome gleichzeitig bei einer Patientin (meist sind Frauen betroffen) auftreten.<\/p>\n<p>Bei ven\u00f6sen Kompressionssyndromen wird der Blutstrom aus der gestauten Vene \u00fcber Umgehungskreisl\u00e4ufe zum Herzen zur\u00fcckgeleitet. Diese ven\u00f6sen Umgehungskreisl\u00e4ufe k\u00f6nnen ihrerseits infolge der verst\u00e4rkten Lordose komprimiert werden, sodass sich die einzelnen Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome gegenseitig beeinflussen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beschwerden des Patienten, vor allem aber f\u00fcr seine erfolgreiche Therapie, ist es daher unerl\u00e4sslich, alle bekannten Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome aufzudecken.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt muss der quantitative Einfluss jedes einzelnen Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndroms auf das gesamte Krankheitsbild bestimmt werden. Dazu sind nicht nur Messungen der Blutstr\u00f6mungsgeschwindigkeit an zahlreichen Stellen im ven\u00f6sen und arteriellen Kreislauf erforderlich, sondern auch die umgeleiteten Blutvolumina m\u00fcssen gemessen werden. Sie sind von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Auswirkung einer Gef\u00e4\u00dfeinengung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/scholbach.de\/wissenschaft\/deutsch-ultraschalldiagnostik\/deutsch-durchblutungsmessung\">Dazu haben wir die PixelFlux Software entwickelt<\/a>, mit der solche <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/wissenschaft\/deutsch-ultraschalldiagnostik\/deutsch-gefaskompressionen\/nussknacker\/quantifizierung-der-gefaesskompressionssyndrome-mit-der-pixelflux-technik\">exakten Messungen<\/a> erstmals m\u00f6glich werden.<\/p>\n<p>Ohne eine Abw\u00e4gung der Druckverh\u00e4ltnisse an verschiedenen Stellen des ven\u00f6sen Kreislaufes und ohne eine Messung der umgeleiteten Blutvolumina und ohne eine Bestimmung der Reservekapazit\u00e4t der Umgehungskreisl\u00e4ufe ist ein Therapieerfolg gef\u00e4hrdet bzw. unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>In meiner Praxis sehe ich h\u00e4ufig Patientinnen, die nach der Diagnose eines Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndroms chirurgisch oder interventionell behandelt wurden und bei denen die Beschwerden fortbestehen, da die oben genannten Umst\u00e4nde au\u00dfer Acht gelassen wurden.<\/p>\n<p>Im Folgenden gebe ich daher einige Beispiele f\u00fcr verh\u00e4ngnisvolle Fehleinsch\u00e4tzungen und Fehlbehandlungen verschiedener Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome, um auf die Risiken bestimmter Behandlungsmethoden hinzuweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Embolisationen der Eierstocksvenen und von Beckenvenen bei Patientinnen mit pelvinem Kongestionssyndrom<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das pelvine Kongestionssyndrom besteht in einer Stauung ven\u00f6sen Blutes in den Beckenorganen. Am h\u00e4ufigsten sind davon die Geb\u00e4rmutter und der linke Eierstock betroffen. Aber auch andere Organe im kleinen Becken wie die Scheide, bei M\u00e4nnern die Prostata, die Harnr\u00f6hre, der Mastdarm und die Harnblase k\u00f6nnen in unterschiedlichem Ausma\u00df ven\u00f6s gestaut sein. Die Folge dieser ven\u00f6sen Stauung sind chronische, h\u00e4ufig zu Beginn der Menstruation besonders starke Schmerzen im Bereich der genannten Organe.<\/p>\n<p>Eine h\u00e4ufig ge\u00fcbte Behandlung ist bei diesen Patientinnen die Ver\u00f6dung der linken Eierstocksvene, manchmal auch der rechten Eierstockvene und weiterer Beckenvenen. Ausl\u00f6ser dieser Behandlung ist regelm\u00e4\u00dfig der Nachweis linksseitig gestauter Beckenvenen in einer Phlebografie oder einer MR-Angiografie oder einer CT-Angiografie. Mit dem Nachweis der erweiterten Venen meint man dann, die lokale Ursache des Schmerzes gefunden zu haben. Die \u00dcberlegung der behandelnden \u00c4rzte geht dann dahin, die Erweiterung der Venen dadurch zu beseitigen, indem man die Venen selbst beseitigt. Dazu werden diese Venen im Rahmen einer Katheteruntersuchung h\u00e4ufig ver\u00f6det, indem Metallspiralen in die Venen gelegt werden, oder sie werden im Rahmen eines laparoskopischen Eingriffes unterbunden.<\/p>\n<p>Nach meiner Beobachtung f\u00fchrt dies h\u00e4ufig zu nach kurzzeitiger Besserung zu noch st\u00e4rkeren Schmerzen im kleinen Becken, in der linken Flanke und im Bereich der linken Niere.<\/p>\n<p>Ursache f\u00fcr diesen Behandlungsmisserfolg ist eine unzureichende Kenntnis der Zusammenh\u00e4nge der Blutstauung im Becken und ihrer Ursachen. Meist wird gar nicht nach Ursachen gesucht, sondern eine Wandschw\u00e4che der linken Eierstocksvene unterstellt. Dabei wird nicht gefragt, warum ausgerechnet die linke Eierstocksvene eine Wandschw\u00e4che haben soll, wenn andere Venen keine Erweiterung aufweisen. Diese Wandschw\u00e4che sei die Ursache f\u00fcr die Aufdehnung der Vene, wird h\u00e4ufig erkl\u00e4rt. Manchmal wird auch unterstellt, dass Venenklappen nicht richtig schlie\u00dfen und daher sich die Vene wie eine Krampfader erweitert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich jedoch ist regelm\u00e4\u00dfig ein Druckanstieg in der Eierstocksvene die Ursache ihrer Erweiterung. Dieser Druckanstieg wird ausgel\u00f6st durch eine Einengung der linken Nierenvene, wenn eine verst\u00e4rkte Lordose die Lendenwirbels\u00e4ule in Richtung Bauchwand dr\u00e4ngt und damit die linke Nierenvene, die die Wirbels\u00e4ule oberhalb des Nabels von links nach rechts \u00fcberquert, von hinten komprimiert. Da die linke Eierstocksvene im rechten Winkel in die linke Nierenvene m\u00fcndet, pflanzt sich der gesteigerte Druck aus der linken Nierenvene in die linke Eierstocksvene fort. Nachdem anf\u00e4nglich zun\u00e4chst eine Erweiterung der Eierstocksvene eintritt, kommt es sp\u00e4ter zu einer Schl\u00e4ngelung der Vene wie bei einer Krampfader am Bein. Diese Krampfader ist, wie der Name schon sagt, Ursache krampfartiger und dr\u00fcckender Schmerzen im Becken und in der linken Flanke beziehungsweise im linken Unterbauch. Bei weiterem Druckanstieg <u>und geringem Druck in den Beckenvenen<\/u> kommt es dann zur Umkehrung des Blutstromes in der Eierstocksvene.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper hat damit einen (prim\u00e4ren) Umgehungskreislauf geschaffen, der es ihm erlaubt, das gestaute Blut der linken Niere auf Umwegen zum Herzen zur\u00fcckzutransportieren. Dieser Umweg verl\u00e4uft zun\u00e4chst \u00fcber die linke Eierstockvene, \u00fcber den linken Eierstock und den linken Eileiter zur Geb\u00e4rmutter, durchquert die Muskulatur der Geb\u00e4rmutter und f\u00fchrt dann \u00fcber Venen an der rechten Flanke der Geb\u00e4rmutter beziehungsweise \u00fcber den rechten Eierstock das Blut der tiefen rechten Beckenvene zu. Von dort aus steigt es \u00fcber die oft sehr deutlich erweiterte, dann oft auch schmerzhafte rechte tiefe Beckenvene in die oberfl\u00e4chliche rechte Beckenvene auf, von der es dann in gerader Linie in die untere Hohlvene und \u00fcber diese zum Herzen zur\u00fcck transportiert wird.<\/p>\n<p>Das Funktionieren dieses Umgehungskreislaufes h\u00e4ngt ganz entscheidend von den Druckverh\u00e4ltnissen in den Gef\u00e4\u00dfen und Organen ab, die von der umgeleiteten Blutmenge passiert werden m\u00fcssen. Von Natur aus sind die Gef\u00e4\u00dfe in ihrer Weite dem Blutbedarf jener Organe angepasst, die sie versorgen. Dies bedeutet, dass die Eierstocksvene nicht gen\u00fcgend Fassungsverm\u00f6gen f\u00fcr die gro\u00dfe Blutmenge hat, die durch die Niere flie\u00dft.<\/p>\n<p>Die Niere ist das am st\u00e4rksten durchblutete Organ im gesamten Bauchraum, da ihre Durchblutung nicht nur den Eigenbedarf der Niere decken muss sondern die Niere als Filterorgan f\u00fcr das gesamte K\u00f6rperblut fungiert und daher um ein Vielfaches mehr Blut erh\u00e4lt, als aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe des Organes zu erwarten w\u00e4re. Kommt es nun zur Stauung des Abflusses aus der Niere durch eine Kompression der linken Nierenvene, entsteht rasch ein hoher Druck durch das sich in den Umgehungskreisl\u00e4ufen ansammelnde hohe Blutvolumen. Dieser Druck f\u00fchrt zu der oben erw\u00e4hnten Erweiterung der Venen im Umgehungskreislauf und dazu, dass alle beteiligten Venen einem verst\u00e4rkten Druck ausgesetzt werden. Dieser verst\u00e4rkte Druck f\u00fchrt zur Sch\u00e4digung der Venenwand, damit zu ihrer Entz\u00fcndung und in der Folge zu den oft unertr\u00e4glichen Schmerzen.<\/p>\n<p>Wird nun, wie es h\u00e4ufig geschieht, dieser Umgehungskreislauf durch chirurgische oder interventionelle Ma\u00dfnahmen abrupt unterbrochen, kommt es zu einem weiteren Druckanstieg in der linken Nierenvene. Da infolge der Unterbrechung der etablierten Umgehungskreisl\u00e4ufen der Druck in den bis dahin erweiterten Venen sofort nachl\u00e4sst, empfinden die Patienten h\u00e4ufig in den ersten Stunden, Tagen und Wochen eine Linderung ihrer Schmerzen. Dies erkl\u00e4rt sich durch die nachlassende Entz\u00fcndung in den ehemals erweiterten Venen, die nun kollabieren.<\/p>\n<p>Der meist \u00fcbersehene Nachteil dieses Vorgehens liegt darin, dass es durch Unterbrechung der Umgehungskreisl\u00e4ufen zu einem erheblichen weiteren Druckanstieg in der linken Nierenvene kommt. Dieser Druckanstieg erzwingt den Abfluss des gestauten Blutes \u00fcber bis dahin nicht genutzte kleinere Venen im Bereich der Bauchh\u00f6hle, des R\u00fcckens und des Beckens. Da diese Venen nicht auf die pl\u00f6tzliche Volumen\u00fcberlastung vorbereitet sind werden sie rasch aufgedehnt was eine Entz\u00fcndung dieser Venen nach sich zieht. Der K\u00f6rper schafft sich neue Umgehungskreisl\u00e4ufe, nachdem ihm der bis dahin etablierte Umgehungskreislauf genommen wurde. Da die nun sekund\u00e4r benutzten Venen ein noch geringeres Lumen als die prim\u00e4r genutzten Venen haben, dies war ja der Grund, warum das Blut zun\u00e4chst \u00fcber diese etwas weiteren Venen abgeleitet wurde, ist der Druck in diesen sekund\u00e4ren Umgehungskreisl\u00e4ufen noch h\u00f6her als zuvor, die Entz\u00fcndung st\u00e4rker und die Schmerzen infolgedessen noch st\u00e4rker als vor der Behandlung.<\/p>\n<p>Dieser hier beschriebene Krankheitsverlauf kann leider sehr h\u00e4ufig nach entsprechenden Eingriffen beobachtet werden, sodass ich aus eigener Erfahrung dringend davon abraten m\u00f6chte, beim Nachweis eines pelvinen Kongestionssyndrom die etablierten Umgehungskreisl\u00e4ufe zu unterbinden.<\/p>\n<p>Gleiches gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr die Entfernung von Organen, die diese Umgehungskreisl\u00e4ufen erst gew\u00e4hrleisten. Es ist daher mit den gleichen Folgeerscheinungen zu rechnen, wenn der linke Eierstock oder die Geb\u00e4rmutter entfernt werden, unter der Hoffnung, dass damit die Beschwerden, die auf die ven\u00f6se Stauung dieser Organe zur\u00fcckgehen, verschwinden. Dies ist nach meiner Erfahrung nicht zu erwarten. Stattdessen treten h\u00e4ufig nach kurzer Zeit, oft schon nach einigen Wochen, unertr\u00e4gliche Schmerzen in den sekund\u00e4ren Umgehungskreisl\u00e4ufen auf.<\/p>\n<p>Leider werden dann die Patientinnen h\u00e4ufig von den \u00c4rzten, die die Ver\u00f6dung oder Organentfernungen vorgenommen haben, nicht mehr weiterbehandelt, da aus deren Sicht der Eingriff technisch gelungen ist und aufgrund des fehlenden Gesamtkonzeptes der lordogenetischen Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome keine weitere Behandlungsm\u00f6glichkeit gesehen wird.<\/p>\n<p>Die Patientinnen werden dann h\u00e4ufig zum Psychologen oder Psychiater geschickt mit dem Hinweis, dass sie nun unter einem \u201eSchmerzverst\u00e4rkungssyndrom\u201c, einem \u201ezu starken Schmerzged\u00e4chtnis\u201c oder an einer psychischen Erkrankung leiden w\u00fcrden.<\/p>\n<h3>Nierenautotransplantation bei Patienten mit May-Thurner-Syndrom<\/h3>\n<p>Bei Patienten mit einer Kompression der linken Nierenvene wird manchmal die Autotransplantation der linken Niere empfohlen, um die Kompression der linken Nierenvene zu beseitigen. In diesen F\u00e4llen ist es wichtig auszuschlie\u00dfen, dass vorbestehende Kompressionen der linken oder rechten Vena iliaca communis oder der Vena cava inferior den ven\u00f6sen R\u00fcckfluss aus der transplantierten Niere behindern.<\/p>\n<p>Leider ist nicht allgemein bekannt, dass abdominale Kompressionssyndrome bei den meisten Patienten nacheinander auftreten. Das bedeutet, dass die Entdeckung eines Kompressionssyndroms eine vollst\u00e4ndige Untersuchung erfordert, um weitere Gef\u00e4\u00dfkompressionen zu finden.<\/p>\n<p>Ich berichte hier \u00fcber ein junges M\u00e4dchen, bei dem ein Kompressionssyndrom entdeckt und nach dem anderen operiert wurde und das schlie\u00dflich mit <a href=\"https:\/\/scholbach.de\/unbearable-orthostatic-pain-in-the-autotransplanted-left-kidney\">unertr\u00e4glichen Schmerzen in ihrem Nierentransplantat<\/a> endete, die auf eine ptotische Hyperperfusion des Transplantats aufgrund einer orthostatischen Strangulation des rechten Nierendurchflusses und einer anschlie\u00dfenden \u00dcberschwemmung der transplantierten Niere zur\u00fcckzuf\u00fchren waren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle vaskul\u00e4ren Kompressionssyndrome k\u00f6nnen auf eine verst\u00e4rkte Lordose der Lendenwirbels\u00e4ule zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Es ist daher keine Seltenheit, dass mehrere Gef\u00e4\u00dfkompressionssyndrome gleichzeitig bei einer Patientin (meist sind Frauen betroffen) auftreten. Bei ven\u00f6sen Kompressionssyndromen wird der Blutstrom aus der gestauten Vene \u00fcber Umgehungskreisl\u00e4ufe zum Herzen zur\u00fcckgeleitet. 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